Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), das unter dem gemeinsamen Dach des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und der Julius-Maximilians-Universität (JMU) die Volkskrankheit Herzschwäche systematisch erforscht und behandelt, hat vielversprechenden Forscherzuwachs bekommen: Die renommierte Kardiologin und Genetikerin Professor Brenda Gerull hat den Ruf des DZHI auf die Forschungsprofessur „Kardiovaskuläre Genetik“ angenommen und damit ihre Wirkungsstätte von Calgary, Kanada, nach Würzburg verlegt. Als Ärztin will sie eine Spezialambulanz für familiär bedingte Herzerkrankungen im UKW einrichten, als Wissenschaftlerin wird sie die Genetik der schwachen Herzen entschlüsseln.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist keineswegs ein natürlicher Alterungsprozess. Sie tritt auch bei Kindern und jungen Erwachsenen auf – und das gar nicht so selten. Beim jüngeren Patient entsteht Herzschwäche zumeist infolge einer Herzmuskelerkrankung, die zur Verdickung des Herzmuskels und/oder Erweiterung einer oder beider Herzkammern führt und dann Funktionsstörungen auslöst. Herzspezialisten sprechen von Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien). Sehr häufig sind diese genetisch bedingt: „Es gibt familiäre Formen von Kardiomyopathien, die statistisch betrachtet nur einmal in 10.000 Menschen auftreten können. Andere Herzmuskelerkrankungen sind relativ häufig und können bei einem von 500 Personen auftreten“, erklärt Prof. Brenda Gerull. „Ursache sind defekte Gene, also Mutationen im Erbgut. Doch während einige der Betroffenen ganz symptomfrei ein zunächst unbeschwertes Leben führen, sind andere von Anfang an schwer beeinträchtigt. Mich interessiert, wie es zu diesen verschiedenen Verlaufsformen der Kardiomyopathien kommt und wie sich daraus neue Ideen für Prävention, Diagnose und Therapie dieser Herzerkrankungen entwickeln lassen.“ Die Wissenschaftlerin ist eine von weltweit nur sehr wenigen Spezialisten, die sich mit den komplizierten genetischen und molekularen Grundlagen von Herzmuskelerkrankungen beschäftigen und die Erkenntnisse direkt in die klinische Anwendung überführen.

Angeborene Herzfehler – übrigens die häufigste angeborene Fehlbildung – familiäre Herzrhythmusstörungen und die Kardiomyopathien sind nicht selten auch Ursache für den plötzlichen Herztod, der bereits mehrfach junge Spitzensportler aus dem Leben riss: Diese oft vererbten Erkrankungen sind ein noch weitestgehend unverstandener Gegenstand in der Medizin: „Noch ist sehr wenig bekannt, was die Mutationen, die sich dann als solche Erkrankungen äußern, tatsächlich auf der Ebene von Molekülen, Zellen, Geweben und Organen auslösen. Unbekannt ist auch, wie sich Umweltfaktoren prognostisch günstig oder eher ungünstig auf die genetische Prädisposition auswirken“, so Brenda Gerull. Sehr viel Grundlagenforschung ist also noch von Nöten, um den Geheimnissen des Erbguts im Krankheitsverlauf der Herzerkrankungen auf die Spur zu kommen.

Aussichtsreich: Neue kardiologische Spezialsprechstunde am UKW.

Doch trotz der noch offenen molekularen Rätsel, einen unmittelbaren Nutzen von Prof. Gerulls Forschung werden kardiologische UKW-Patienten bereits in absehbarer Zeit haben. Neben ihrer Forschungsarbeit wird die Medizinerin nämlich unter dem Dach der DZHI-Herzinsuffizienzambulanz eine neue Spezialsprechstunde öffnen, die Familien mit erhöhtem Risiko umfassend beraten wird. „Meine Erfahrungen aus Kanada zeigen, dass den meist jüngeren Patienten mit Herzmuskelerkrankungen und Herzrhythmusstörungen sowie deren Familien in gesundheitlicher und auch psychosozialer Hinsicht mit diesem Spezialangebot sehr geholfen werden kann. Die genetische Diagnostik kann in einigen Fällen Therapieoptionen stützen sowie auch präventiv Familienangehörigen helfen, die möglicherweise ein unerkanntes Risiko für diese Erkrankungen tragen,“ so die Ärztin Brenda Gerull.


Weitere Informationen:

http://www.chfc.ukw.de/aktuelles.html

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